Am 10. und 11. März 2026 besuchten unsere Kollegen Grit Wasmund, Thilo Amann, Florian Tenberken und Clemens Zauchner die IBM Storage Strategy Days in Ehningen. Die Veranstaltung brachte Kunden, Partner und IBM-Experten zusammen, um aktuelle Entwicklungen rund um moderne Storage- und Infrastrukturplattformen zu diskutieren.
Eine zentrale Erkenntnis der Veranstaltung: Storage entwickelt sich zunehmend zur Plattform für Anwendungen, Virtualisierung und Datenservices – und IBM Fusion wird dabei zu einem zentralen Baustein moderner Infrastrukturarchitekturen.

Fusion wird zur Plattform für geschäftskritische Workloads
Ein großer Industriekunde zeigte deutlich, wie sich die Rolle moderner Storage-Plattformen verändert. In dieser Kundenumgebung wird IBM Fusion bereits heute als hochverfügbare Plattform für besonders kritische Workloads eingesetzt – mit einem klaren Fokus auf Stabilität und minimale Downtime.
Eine wichtige technische Entwicklung: Fusion ist inzwischen nicht mehr auf einzelne Rack-Installationen beschränkt. Während frühe Deployments typischerweise aus einem einzelnen Rack bestanden, können heutige Fusion-Cluster über mehrere Racks aufgebaut werden. Referenzarchitekturen sehen dabei Konfigurationen mit bis zu drei Racks vor.
Damit verändert sich die Skalierbarkeit der Plattform deutlich: Rechenressourcen und Storage lassen sich über mehrere Racks hinweg erweitern, während gleichzeitig die Ausfallsicherheit steigt. Workloads können auf unterschiedliche Racks verteilt werden, sodass selbst bei Wartungsarbeiten oder Hardwareproblemen der Betrieb stabil weiterlaufen kann.
Gerade in produktionsnahen Umgebungen ist das entscheidend. Multi-Rack-Architekturen ermöglichen nicht nur größere Umgebungen, sondern auch eine deutlich robustere Infrastruktur für geschäftskritische Anwendungen.
Die Botschaft dahinter: IBM Fusion entwickelt sich vom einzelnen Infrastrukturbaustein hin zu einer skalierbaren Plattform für produktive Unternehmensumgebungen.
Fusion bringt Windows-Server-Workloads auf die Kubernetes-Plattform
Ein weiteres Praxisbeispiel zeigte, wie stark sich Infrastrukturarchitekturen derzeit verändern. Ein Kunde präsentierte, wie er seine bestehende Virtualisierungsumgebung neu aufgebaut hat: Statt weiterhin auf eine klassische Hypervisor-Plattform wie Microsoft Hyper-V zu setzen, betreibt er seine Umgebung heute auf Basis von IBM Fusion.
Der entscheidende Unterschied liegt im Plattformansatz. Auf Fusion läuft mit Red Hat OpenShift eine Umgebung, die sowohl Container-Workloads als auch klassische virtuelle Maschinen unterstützen kann. Windows-Server-Workloads laufen weiterhin als VMs – werden jedoch über die Virtualisierungsfunktionen innerhalb der Kubernetes-Plattform betrieben.
Die eigentliche Veränderung liegt im Plattformmodell: Fusion kann damit klassische Virtualisierungsplattformen perspektivisch ersetzen. Anwendungen laufen weiterhin als virtuelle Maschinen oder Container – werden jedoch auf einer gemeinsamen Plattform betrieben.
Für Unternehmen bedeutet das weniger Plattform-Silos, vereinfachten Betrieb und eine klarere Perspektive für die Modernisierung bestehender Anwendungen. Klassische VM-Workloads können zunächst unverändert weiterlaufen, während gleichzeitig der Weg offen bleibt, einzelne Anwendungen schrittweise zu modernisieren oder containerisiert neu zu entwickeln.

Weitere technische Entwicklungen rund um Fusion
Neben den gezeigten Praxisbeispielen gab es auf den IBM Storage Strategy Days auch eine Reihe technischer Weiterentwicklungen rund um IBM Fusion. Sie zeigen, wie sich die Plattform in mehreren Bereichen gleichzeitig weiterentwickelt – von Infrastruktur über Betrieb bis hin zu KI-Integration und es. ist kein Ende in Sicht.
Hinweis: Einige der auf den IBM Storage Strategy Days vorgestellten Funktionen befinden sich derzeit noch auf der Produkt-Roadmap von IBM und sind daher “subject to change”. Funktionsumfang, Zeitpläne und Verfügbarkeit können sich im Zuge der weiteren Entwicklung noch ändern.
Factory Reset für schnellere Wiederherstellung
Für zukünftige Versionen wurde außerdem eine vereinfachte Möglichkeit angekündigt, Fusion-Systeme auf Werkseinstellungen zurückzusetzen. Eine solche Factory-Reset-Funktion kann beispielsweise nach Testumgebungen, Fehlkonfigurationen oder größeren Umbauten hilfreich sein, um Systeme schnell wieder in einen definierten Ausgangszustand zu bringen.
Stabilerer Plattformbetrieb durch den EUS-Update-Kanal
Ein wichtiger Punkt betrifft den Umgang mit Updates. Künftig soll Fusion stärker den sogenannten Extended Update Support (EUS)-Kanal von Red Hat OpenShift unterstützen.
Damit könnten Unternehmen länger auf stabilen Versionen bleiben und Updates planbarer durchführen, anstatt jede Zwischenversion mitgehen zu müssen. Gerade in produktiven Umgebungen reduziert das Wartungsfenster und Betriebsaufwand deutlich. Besonders erfreulich: Die Idee dazu entstand in realer Projektarbeit und wurde von unserem Kollegen Clemens Zauchner eingebracht.

Mehr Leistung für KI- und Analyse-Workloads
Auch auf der Hardwareseite entwickelt sich Fusion weiter. Neue „storage-ready“ Serverplattformen sowie zusätzliche GPU-Optionen sollen künftig deutlich mehr Rechenleistung pro Knoten ermöglichen. Damit wird es einfacher, GPU-intensive Workloads wie KI-Training, Analysen oder datenintensive Anwendungen direkt auf der Fusion-Plattform zu betreiben – ohne zusätzliche Spezialhardware.
Damit entwickelt sich Fusion zunehmend auch zur Infrastrukturplattform für KI- und datenintensive Workloads.





Einfacherer Einstieg in IBM watsonX
Ein weiterer Schritt ist die engere Integration der IBM-KI-Plattform. Künftig sollen Komponenten wie IBM watsonx.ai oder IBM watsonx.orchestrate deutlich einfacher direkt auf IBM Fusion bereitgestellt werden können.
Ziel ist es, Unternehmen schneller eine funktionsfähige Umgebung für KI-Modelle und automatisierte Prozesse zur Verfügung zu stellen. Fusion entwickelt sich damit zunehmend zur Plattform, auf der sich Infrastruktur, Daten und KI-Workloads zusammenführen lassen.

Mehr Bandbreite und klarere Datenpfade im Cluster
Besonders sichtbar wird die Weiterentwicklung der Plattform im Netzwerkdesign von IBM Fusion HCI. Bisher basieren viele Installationen auf 100-GbE-Switches und einem klassischen Layer-2-Design innerhalb des Clusters. Zukünftig sind jedoch neue Switch-Generationen vorgesehen, die Geschwindigkeiten bis zu 400 Gbit/s ermöglichen.
Parallel dazu wird das Netzwerkdesign flexibler: Der bisherige Layer-2-Ansatz soll optional um Layer-3-Networking mit BGP erweitert werden. Das erleichtert vor allem den Betrieb größerer Cluster oder Multi-Rack-Setups, da Routing, Segmentierung und Skalierung deutlich sauberer umgesetzt werden können.
Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft den Datenverkehr innerhalb des Clusters. In vielen Umgebungen teilen sich Storage-Traffic und andere Netzwerkströme bislang dieselben Verbindungen – was bei datenintensiven Workloads schnell zum Engpass werden kann. Künftig sollen zusätzliche, dedizierte Netzwerkkarten speziell für Storage-Traffic vorgesehen werden. Dadurch bekommt der Storage-Datenpfad gewissermaßen eine eigene „Spur“ im Netzwerk.
Zusammen sorgen diese Änderungen dafür, dass das interne Fabric deutlich skalierbarer und robuster wird – insbesondere in größeren Umgebungen mit mehreren Racks, GPU-Nodes oder stark datengetriebenen Anwendungen.
IBM Bob & MCP-Server
Ein weiterer Ausblick betraf die Nutzung von KI im laufenden Betrieb der Plattform. Über neue Schnittstellen und Protokolle könnten künftig KI-Assistenten (IBM Bob) Kontext aus dem Cluster erhalten und Administratoren bei Diagnose und Betrieb unterstützen.
Die technische Grundlage dafür bildet das Model Context Protocol (MCP). Dieses Protokoll ermöglicht es KI-Systemen, strukturierten Kontext aus Plattformen wie Kubernetes oder Infrastruktur-Tools abzurufen und darauf basierend Aktionen auszuführen. So könnten KI-Assistenten künftig beispielsweise Fehlerzustände im Cluster analysieren, relevante Logs auswerten oder Administratoren bei der Ursachenanalyse unterstützen.
Damit geht Fusion einen weiteren Schritt in Richtung KI-unterstütztem Plattformbetrieb.


Auch IBM FlashSystem blieb ein wichtiges Thema
Natürlich spielte auch die IBM FlashSystem Familie auf den IBM Storage Strategy Days eine Rolle. Viele der dort präsentierten Entwicklungen waren jedoch bereits zuvor angekündigt worden – für die meisten Storage-Experten also keine wirklichen Neuigkeiten.
Interessant war vielmehr, wie stark FlashSystem inzwischen im Kontext moderner Plattformarchitekturen diskutiert wird. In vielen Szenarien bildet FlashSystem weiterhin die hoch performante Storage-Basis, während Plattformlösungen wie IBM Fusion darüber zusätzliche Funktionen für Container, Virtualisierung und Datenservices bereitstellen.
Der Fokus der Diskussion verschiebt sich damit spürbar: Weg von einzelnen Storage-Systemen hin zu Plattformarchitekturen, in denen Storage, Containerplattform und Datenservices enger zusammenarbeiten.
Was die Entwicklung für moderne Infrastruktur bedeutet
Die gezeigten Praxisbeispiele und technischen Weiterentwicklungen zeigen eine klare Richtung: Storage entwickelt sich zunehmend zur Plattform für moderne Infrastruktur.
Mit Plattformen wie IBM Fusion wachsen mehrere bislang getrennte Bereiche zusammen – klassische Virtualisierung, Containerplattformen, Storage und zunehmend auch KI-Workloads. Anwendungen können als virtuelle Maschinen oder Container betrieben werden, während Infrastrukturservices wie Storage, Netzwerk und Datenplattformen direkt in die Plattform integriert sind.
Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: weniger getrennte Systeme, ein konsistenteres Betriebsmodell und eine Infrastruktur, die sich einfacher skalieren und weiterentwickeln lässt.
Gerade mit Blick auf steigende Datenmengen, moderne Anwendungen und KI-Workloads wird dieser Plattformansatz für viele Organisationen zunehmend zum strategischen Thema.
Warum die Containerplattform dabei immer wichtiger wird
Viele dieser Entwicklungen haben einen gemeinsamen Nenner: Die Containerplattform rückt immer stärker ins Zentrum moderner Infrastrukturarchitekturen.
Mit Plattformen wie IBM Fusion werden Container, virtuelle Maschinen und Datenservices zunehmend auf einer gemeinsamen Grundlage betrieben – häufig auf Basis von Red Hat OpenShift. Die Containerplattform wird damit zum zentralen Layer, auf dem Anwendungen, Plattformservices und Infrastruktur zusammenlaufen.
Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf OpenShift selbst. Im nächsten Beitrag dieser Serie zeigen wir, welche Rolle die Containerplattform in modernen Infrastrukturarchitekturen spielt und warum sie für viele Unternehmen zum strategischen Fundament wird.
Weiterführende Veranstaltungen:
IBM Storage on Tour 2026
Wer tiefer in diese Entwicklungen rund um moderne Storage- und Plattformarchitekturen einsteigen möchte, hat dazu bald Gelegenheit: Beim Event IBM Storage on Tour in Wien geben Experten Einblicke in aktuelle Technologien, Architekturansätze und Praxiserfahrungen rund um moderne Datenplattformen.
Neben technischen Sessions bietet die Veranstaltung auch Raum für Austausch mit IBM-Experten und Infrastrukturverantwortlichen aus anderen Unternehmen.
The Future of Enterprise AI: Maximizing AI Yield in the Token Economy / Online
Dass Fusion und OpenShift zunehmend zusammen gedacht werden, zeigt auch ein aktuelles Webinar von IBM am 31. März. Dort diskutieren Experten von IBM, NVIDIA und Red Hat über Strategien für leistungsfähige KI-Infrastrukturen.

